Selbstversuch

Das würde die Schönheit vervollkommnen

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 25/11 vom 22.06.2011

Die Horwathin hatte Geburtstag. Da hat der Horwath beschlossen, seiner Frau einen alten Wunsch zu erfüllen. Weil immer sitzt die Horwathin im Garten (also, wenn sie einmal sitzt, meistens kniet sie in einem ihrer Blumenbeete, was deren Unvergleichbarkeit jetzt zum Beispiel mit meinen erklärt), schaut sich das Haus an und den Hof, den rankenden (obwohl die Ritter mein Gemüsebeet kürzlich ob seiner ordentlichen Gejätetheit ein "Spießerbeet“ hieß, Oida) Wein und die Rosen, die Kinder und die Hendln und sagt: Ein Pfau wär noch schön, der Pfau würde herrliche Pfauenräder schlagen, das würde die Schönheit meiner Umgebung praktisch vervollkommnen.

So entschied der Horwath: Heuer bekommt die Horwathin ihren Pfau. Also zwei, weil Pfaue sind Paartiere. Also eigentlich sind sie Vielweiberer, aber übertreiben wollte es der Horwath dann auch nicht, weil: Die schreien ja, die Pfaue. Es sind wegen schreiender Pfaue schon viele nachbarschaftliche Freundschaften zerbrochen. (Aber wir sind zum Horwath ja keine direkten Nachbarn, also ist es uns wurscht. Also war es uns wurscht.)

Der Horwath recherchierte und fand einen Pfauenzüchter in Kärnten. Das war ihm aber doch zu weit. Dann fand er einen in Melk, den rief er an und erkundigte sich nach einem Pfauenpaar. Ja, er habe eins, sagte der Händler. Was????, sagte der Horwath, JA, ER HABE EIN PAAR!!!!, brüllte der Händler in das ihn umgebende Gekreische hinein. Aha, sagte der Horwath, ob es das sei, das er gerade höre? Nein, sagte der Händler, das seien andere. Der Horwath nutzte eine kurze Abwesenheit der Horwathin und fuhr nach Melk und spazierte hernach, Pfauenfeder am Hut, in unseren Garten hinein. Die Pfaue gewöhnten sich gerade an ihr neues Zuhause; die Hendln seien ob der Pfauerei ein wenig inkommodiert, aber das gebe sich schon. Wollten wir uns die Pfaue ansehen? Wir wollten.

Wir spazierten hinter dem Horwath in den Horwath-Hof hinein. Von den Hendln war keines zu sehen, aber Herr und Frau Pfau stoben davon, als sie unser ansichtig wurden. Wir setzten uns auf die Bank, um uns die Pfaue anzusehen und uns Namen für sie auszudenken. Waterloo und Robinson, Skopik und Lohn, Modern und Talking, Cindy und Bert, als Bert auf das Dach des Hühnerstalls flatterte, von dort auf die Mauer und von dort in die Freiheit.

Der Horwath spurtete los, zum Tor hinaus, dem Bertl hinterher. Wir blieben zurück und schauten Cindy zu, die sich hinten beim anderen Tor versteckt hatte. Das Tor hat unten einen schmalen Spalt, den wir bemerkten, als Cindy ihn zur Flucht nutzte. Der Lange rannte los und sah, als er das Tor aufriss, gerade noch, wie Cindy auf den Tisch der Laube sprang und aufs Dach des Nachbarhauses flog. Dann war sie weg. Bert auch. Die Horwath’sche bekam zu ihrem Geburtstag eine herrliche Pfauenfeder, immerhin. Hoch soll sie leben.


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