Musiktheater Kritik

Harnoncourt und die "Verkaufte Braut“

Steiermark | Heinz Rögl | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Nein, so etwas hat die Welt noch nicht gesehn, noch nicht gehört!“ beklagt sich Marie bitter bei ihrem Liebhaber, der seine Braut einfach um 300 Gulden verkauft hat. Als "Uraufführung“ gilt der styriarte die wiederentdeckte deutsche Fassung der Oper "Die verkaufte Braut“, die Komponist Bedrich Smetana eigenhändig in der Partitur seiner "Prodaná nevésta“ als die gültige eingetragen und autorisiert hat.

Selten hört man eine so "authentische“ Lesart der Partitur, wie sie in der prachtvollen Ouvertüre, aber auch in den Tänzen und Polkas erklingt. Man läuft Gefahr, darüber schon am Anfang der Aufführung Freudentränen zu weinen. Diese ist festspielwürdig, auch gesangsmäßig luxuriös besetzt. Nikolaus und Philipp Harnoncourt (Inszenierung in einer Jahrmarktbahn) gelingt der Spagat zwischen dem, was die Smetana-Oper doppelbödig alles sein wollte, auch ist und doch wieder nicht ganz ist - Gefühlsdrama, Gesellschaftskritik, komische Oper, nationales Manifest, idyllischer Folkloreanklang. Jedenfalls: Smetana musikalisch at his best, furios und berührend, auch wenn das Libretto manchmal vielleicht Längen oder altmodische Schwülstigkeiten aufweist.

Ein Sängerfest: Allen voran die keinen Wunsch offen lassende Dorothea Röschmann als Marie, daneben Kurt Streits lyrischer Jeník, der nicht heldentenoral auftrumpft, sowie ein subtil charakterisierter Markus Schäfer als infantiler Stotterer Vašek, der unter der Fuchtel seiner Mutter zurückgeblieben ist. Dazu der formidable Arnold Schoenberg Chor, der gleich zu Beginn die "gold’ne Freiheit“ besingt, Ruben Drole als junges Heiratsvermittler-Schlitzohr Kecal, Heinz Zednik als Zirkusprinzipal. Dreimal kann man das noch erleben, gratis auch am 2. Juli als Ö1-Übertragung und als zeitversetzte Live-"Klangwolke“ im Grazer Landhaushof. Empfehlenswert!

Helmut-List-Halle, Graz, Do, Sa, Mo 19.00


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