Musiktheater Kritik

Stieren, streiten, Fernbedienung suchen

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Der sechste Ring Award, ein in Graz ausgetragener, einzigartiger Regienachwuchswettbewerb für Musiktheater, widmete sich heuer der Operette "Die Fledermaus“ (1874) von Johann Strauß.

Im Finale präsentierten im Schauspielhaus drei Teams ihre Interpretationen des ersten Operettenakts. Johannes Rieder (Regie) und Thomas Unthan (Ausstattung) aus Deutschland setzten den als Abschluss erdachten Mord Eisensteins an seiner Frau Rosalinde an den Anfang. Der dann korrekt ablaufende erste Akt wurde von zugleich dargestellten Flashbacks Eisensteins überlagert. Dieser stierte auf einer Sitzgarnitur meist vor sich hin, zuletzt von Rosalinde begleitet, aber nur um sich um die verlegte Fernbedienung zu streiten.

Die Deutschen Hannes Kapsch (Regie) und Trixy Royek (Ausstattung) ignorierten die "Fledermaus“ weitgehend, besonders die Ironie ihrer Musik. Für ihre Dekonstruktion von Rollenbildern hätten sie auch einen anderen Stoff wählen können. Ihre originellen Ansätze hätten schwerlich mehr als einen Akt getragen.

Dem Briten Sam Brown (Regie) und der Irin Annemarie Woods (Ausstattung) wurden geschlossen alle Preise zugesprochen, als da wären das Preisgeld aller Finalisten in der Höhe von 5500 Euro, der Preis des Landes Steiermark (Ring Award) und der Stadt Graz, jeweils 2500 Euro, und auch die Sonderpreise mehrerer deutschsprachiger Bühnen, verbunden mit Inszenierungsverträgen in der Gesamthöhe von 180.000 Euro. Dies entschieden die Intendanten einzeln sowie als Jury (Stadt Graz) und auch eine bunt besetzte "Ring Award“-Jury schloss sich an. Ein üppiges Ergebnis für eine brillante, aber konventionelle Regiearbeit, die das Geschehen ins Jahr 1948 verlegte und humoristisch mit sexueller Deftigkeit spickte. Rieder und Unthan inszenierten riskanter, aber künstlerisch klüger.


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