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Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Am Montag, um 12.21 Uhr, also just zu jenem Zeitpunkt während des Montagsproduktionshorrors, an dem hier kaum jemand ansprechbar, weil jeder gestresst ist, erreichte uns elektronische Post von Massoud Rahbar, dem längstdienenden Falter-Post-Direktor der Zweiten Republik.

Er ließ uns aus einem wohlklingenden Ort im Land der Üs grüßen, wo das Leben nach Salzwasser, Fisch und allerlei Gegrilltem schmecke, kurzum: vom anderen Ende des montagmittäglichen Raumzeitkontinuums.

Der Zufall will es, dass dort, wo Massoud die Pensionistenseele baumeln lässt, vor knapp 20 Jahren ein Mann namens Mesut Dasdemir geboren wurde. Vor Massouds Abschied war Mesut Massouds Assistent, seither ist Mesut der neue Massoud, also Direktor (zu Türkisch: Müdür). Als Ingrid Brodnig unversehens ein Stück Rindfleisch aus der Tasche kramte und es in der schwarz-weißen Designerküche in eine Pfanne schupfte, da war der junge Müdür, der noch nie Alkohol getrunken hat, und wenn, dann nur, um den Feind zu kennen, einer der wenigen, der die Nase nicht rümpfte. Der Rest der Anwesenden gab sich der fleischdampffeindlichen Tirade mit einer Leidenschaft hin, als handle es sich um die Redaktion des veganen Boten.

"Eine Küche ist eine Küche ist eine Küche“, sagte Brodnig und ließ das Ding zu Recht brutzeln. Denn den Steakgeruch in der Nase und die Augen geschlossen, mochte man sich einen sehr kurzen Moment lang einbilden, man sitze nicht hier, sondern neben Massoud auf einem sonnengefluteten Strand im Land der Üs und fühle etwas baumeln.


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