Kommentar  

Obermuslim Fuat Sanac beweist: Ein Neuanfang sieht anders aus

Integration

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Als vor zwei Jahren bekannt wurde, dass das Märtyrertum in einem islamischen Religionsbuch heroisiert wird (siehe S. 8), da reagierte Anas Schakfeh, der damalige Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGIÖ), indem er neue Lehrbücher versprach und bis dahin empfahl, die betreffende Seite herauszureißen. Skandälchen, seltsame Gesten, leere Versprechungen: Das war die IGGIÖ alt.

Hatte Fuat Sanac nicht versprochen, es anders zu machen? Hat er. Eingelöst hat der neue Präsident, der aus der konservativen, türkischen Milli-Görüs-Bewegung stammt, dieses Versprechen bislang nicht.

Dafür, dass das Buch bis heute offiziell verwendet wird und ein neues nicht in Sicht ist, kann der Religionslehrer und Fachinspektor nur bedingt etwas. Dafür, dass Nebi Uysal, der Mann, der das Buch einst verfasst hat, sein neuer Vizepräsident ist, trägt Sanac hingegen die Verantwortung. Ein Neuanfang sieht anders aus.

Und hat Sanac nicht angekündigt, gegen den tagespolitischen Virus immun zu sein? Hat er. Dennoch gibt er nach seinem ersten Besuch im Innenministerium einem umstrittenen Antiterrorgesetzesvorhaben seinen Segen. Rund um Amtswechsel herrscht auf dem Loyalitätenbazar eben Hochbetrieb. Aber gerade dieser ersten Versuchung zu widerstehen hätte seine Position gegenüber den Tageshektikern gefestigt.

Ansichten wie jene, wonach Buben und Mädchen ab der Pubertät nicht mehr miteinander schwimmen sollten, sind nun einmal Teil eines konservativen Religionsverständnisses. Und Sanac wurde nicht zum Aufklärer gewählt, sondern zum IGGIÖ-Präsidenten. Schade ist es dennoch, nicht nur, weil der Sommer kommt.


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