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Bücher, kurz besprochen

Politik | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Für das Volk, gegen das Volk

Sind Überwachung und Terror der Preis für eine bessere Welt? Die Mächtigen in der DDR haben diese Frage mit Ja beantwortet. Weil das eigene Volk faschistisch und kapitalistisch kontaminiert sei, müsse es der Staat mit Spitzeln und Agenten durchziehen. Wohin dieser konspirative Wahn geführt hat, ist nachzulesen in Jens Giesekes Werk "Die Stasi“.

Aktualisiert und umfangreich ergänzt liegt das Buch neu auf und bietet eine recht vollständige Erzählung über Aufstieg und Fall der ostdeutschen Securitate. Kaum eine Geheimpolizei der Welt hat die eigenen Bürger so konsequent kontrolliert - und ist damit am Ende fulminant gescheitert. Das Thema besitzt weit über Deutschland hinaus hohe Bedeutung, weil die Türen zu Geheimdienstarchiven nur ganz selten so weit aufgesperrt werden.

Wolfgang Zwander

Jens Gieseke: Die Stasi, Pantheon,

359 S., € 15,50

Strategiebuch ohne Strategie

Allenthalben ertönt in unseren Tagen das Lamento, Politik bestehe nur aus Verwaltung, den Regierenden fehle es an Ideen und Gestaltungswillen. Die Politologen Joachim Raschke und Ralf Tils fordern dazu via Buchtitel: "Politik braucht Strategie“. Am Buchrücken wird angepriesen, wie man Strategie lernen könne, "zeigt dieses Kursbuch“. Das ist aber nicht einmal eine halbe Wahrheit: Die Autoren besitzen immenses Fachwissen, dessen didaktische Aufbereitung eine Katastrophe ist. Das Werk scheitert am eigenen Anspruch: Sehr gehaltvolle Information ersäuft in einer Flut aus Fakten, wohingegen Strategie, wie es im Schlusskapitel steht, immer "das Ganze“ im Blick haben müsse. Nur Experten zu empfehlen.

Wolfgang Zwander

Raschke, Tils: Politik braucht Strategie -

Taktik hat sie genug, 2011, Campus,

240 S., € 25,60


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