Mediaforschung  

Wieso kämpfen Soldaten im Kinderbett, Herr Leitner?

Nachfragekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Ein schlafendes Kind von Soldaten umzingelt, mit diesem Plakat bringt derzeit die Marketingagentur Cayenne für das Betreuungszentrum Hemayat den Krieg ins Kinderzimmer. Hemayat therapiert Folteropfer und Kriegstraumatisierte, darunter auch Kinder.

Ausgerechnet ein Milizoffizier verhilft mit seinem kostenlosen Engagement Hemayat zu mehr Öffentlichkeit und Spenden, damit der Verein die Therapiearbeit fortsetzen kann. Für Cayenne-Chef Lukas Leitner kein Widerspruch - im Gegenteil: "Mir ist als überzeugter Milizoffizier sehr bewusst, wie stark Krieg und Folter Menschen traumatisieren können. Hier braucht es Menschlichkeit“, erklärt er. Die Idee für die Plakatwerbung stammt von Cayenne-Kreativdirektor Willy Wenker. "Ich wollte mit diesem Plakat zeigen, dass Flüchtlinge, auch wenn sie nach Österreich kommen, ihre Traumata nicht loswerden. Die schrecklichen Bilder im Kopf kommen gerade dann hoch, wenn wieder Ruhe einkehrt“, sagt er. Deshalb laute der Slogan der Kampagne auch "Frieden im Kopf“, der erst durch psychologische Unterstützung für Kriegs- und Folteropfer ermöglicht werden könne.

Mitgeholfen hat auch der österreichische Starfotograf Ingo Pertramer, der die schlafenden Kinder abgebildet und ebenfalls auf sein Honorar verzichtet hat. Prominente wie Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, Chansonier Michael Heltau oder Regisseur Reinhard Schwabenitzky sponserten die Herstellung der Plakate. Verschiedene Medien - auch der Falter - liefern Platz für Inserate.

Zu sehen ist die Kampagne am 1. Juli beim ersten Sommerfest für Hemayat am Badeschiff, wo Kollegium Kalksburg und Clara Luzia aufspielen und Preise von Prominenten versteigert werden (Eintritt frei, Infos unter www.frieden-im-kopf.at).


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