Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Ein biografischer Film über einen Katholen mit eingestreuten Dokuszenen und Interviews mit Historikern: Das kann ja heiter werden, dachte ich mir, als zu Fronleichnam auf ORF2 "Der Kardinal“ lief. Und dann kamen Dialoge, die wirkten, als würden sie die Schauspieler vom Teleprompter ablesen. Wenn der von August Zirner gespielte Kardinal König Politiker traf, musste er Sätze aus dem Zeitgeschichteseminar nachsprechen. Greise in komischen Kutten und mit merkwürdigen Ansichten zur Fristenregelung sind kein guter Stoff für Psychodramen.

Irgendwie schaffte es Regisseur Andreas Gruber aber doch, eine Atmosphäre aufzubauen, die sich vom zackigen Semidokumentarismus eines Guido Knopp abhebt. Immer einsamer hallen die Schritte des alternden Mannes wider. Die Entscheidung des Papstes, einen reaktionären Nachfolger zu wählen, stürzten König in eine persönliche Krise. Gruber fand Bilder für die Leere, die den Fürsten eines untergehenden Reiches umgibt.


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