Der Sommer, scheibenweise

Stadtleben | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Ein kulinarisches Souvenir aus dem alten Venedig, neu interpretiert

Gerichtsbericht: Werner Meisinger

Es ist leider Reisezeit, doch ich stehe nicht an, den Urlaub meiner geschätzten Leserschaft per kulinarischer Lebenshilfe erträglicher zu machen, ja zu vergolden. Das Stichwort Gold leitet nach Venedig, in dem der Goldene Löwe haust. In den Restaurants Venedigs isst man grundsätzlich schlecht. Das folgt aus der Tatsache, dass der Mensch an sich schlecht ist und Gastronomen auch nur Menschen sind. Ein Strom an Touristen strömt ihnen durch die Lokale, und ob sie diesem Strom güldene Preziosen der Kochkunst opfern oder dürres Stroh, ist völlig wurscht. Daher strohtrockener Fisch, weil der wenig Mühe macht, zu horrenden Preisen, weil es Freude macht. Nur dort kann in Venedig anständig gegessen werden, wo sich das lokale Publikum verköstigt: in den Bars, in denen der Wein aus Plastikkanistern in die Gläser gelassen und der gegrillte Tintenfisch auf Ölpapier über den Tresen geschoben

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