Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Gelbe Zettel aus Shanghai sagen dir, du bist nicht da

Gelbe Zettel im Briefkasten bedeuten selten etwas Gutes. Oft kommen sie von Versicherung, Finanzamt oder bösen Inkassofirmen oder auch vom Landesgericht, wegen irgendwas. Je mehr Zeit wir zu Hause verbringen, desto mehr gelbe Zettel kriegen wir, die uns sagen "wir haben sie zu Hause leider nicht angetroffen“.Es gibt bestimmte Tageszeiten, und 9.00-12.00 gehört dazu, da hat man nicht zu Hause zu sein, und kann zu Hause auch gar nicht angetroffen werden, man ist dann unsichtbar. Alles das nährt unseren generellen Missmut gegenüber der Post und unser generelles Interesse, über Alternativen nachzudenken, die garantiert nicht funktionieren, so wie es der große Grazer Friedrich Schmiedl getan hat, dessen wir heute gedenken wollen und der 1931 die Postrakete erfunden hat, die er vom Grazer Schöckl abschoss und mit über 100 Briefsendungen und einem Fallschirm bepackte, auf dass sie sanft auf den Wiesen von Sankt Radegund landen konnte und die dortige Bevölkerung sich freute. Der Mann war damals 29 und sollte derart Bahnbrechendes nie mehr wiederholen. Eine Raketenstrecke Ljubljana-Graz-Bern war bereits in Planung, doch scheiterte Schmiedl an Bürokratie und der Tatsache, dass jede Rakete nur einmal verwendbar war und dann unwiderruflich kaputt. Zurück aber zu den gelben Zetteln: Sie sind hässlich und unfreundlich, während die PostmitarbeiterInnen selber schön und freundlich sind. Immerhin.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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