Phettbergs Predigtdienst

Die Gall muss hoch über uns hinweggebraust sein

Kolumnen | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Mir scheint, dass jedes Schläfchen um einen Hauch die Hirnschläge verschiebt. Ich hab so eine hypermoderne fühlende Tastatur, die auf jeden Druck der Finger reagiert; und vielleicht gibt es neben der offizielle Funktion eine "Eil-Taste“, doch ich habe nur die Kenntnisse, die mir Mandy E. Mante im Jahr 2000, als es einen "Phettberg-Chat“ gab, nach meiner jeweiligen Auspeitschung beibrachte. Nicht, dass Sie jetzt denken, Mandy hätte mich ausgepeitscht, er war der Redakteur. Der Peitscher, der mich die Predigtexte vorlesen hieß, war Fachmann: Ganz wund war ich danach immer. Und nun mach ich so viele Fehler, dass ich direkt Angst hab, etwas zu protokollieren ...

Im Film über meinen Lieblingskardinal Franz König, den wir uns diese Woche ansahen (Ali, Barko, Phettwurm), war ein Hauptthema die Einsamkeit des Priesters. Plötzlich wurde Barko, der große Hund, ganz still - und nun weiß ich, warum. Ich hatte meinen Schlafmantel, in dem mir, als es gewitterte, kalt geworden war, in die Ecke geknüllt und Sobos (heilige) Blue Jeans angezogen. Barko, der mit Ali lang im Regen spazieren gewesen war, holte sich diesen Schlafmantel und verkroch sich darin in der hintersten Ecke meiner Wohnung. Ali sagte nämlich, Barko habe Angst vor Regen, Donner und vor dem Alleingelassenwerden. Der Bauernbub Franz König war von seinem Stiefvater oft übers Knie gelegt worden, während mein leiblicher Vater mich nie geschlagen hatte, doch alles Gerede über Angst ist was anderes als das Physische. Barko wusste, dass er meinen Schlafmantel nicht klauen durfte!

Es wird so um circa 23.00 Uhr beim zweiten Lulumüssen gewesen sein, als ich das erste Mal im meinem Leben eine Nachtigall hörte. Ich weiß zwar nix Fachliches und kenne Lerche und Nachtigall nur von Romeo & Julia, doch als ich den Ruf hörte, durchzuckte es mich: Dies muss eine Nachtigall sein! Oder vielleicht war’s a Pfeiferl, ausgegeben am Donauinselfest? Mir kann ja jedes X für ein U ausgegeben werden ... Aber ich hatte noch nie für eine Sekunde so einen Laut gehört. Es war ganz still sonst in Gumpendorf, und ich hielt den Atem an, doch es kam kein zweiter Klang: Die Gall muss ganz hoch über uns hinweggebraust sein!

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