Selbstversuch

Wo haben Sie denn Ihre Burg?

Doris Knecht  

Kolumnen | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Das war also die Geschichte von den Pfauen vom Horwath, die der Horwath der Horwathin zum Geburtstag schenken wollte und die abpaschten, bevor die Horwathin ihrer ansichtig wurde. Sie waren ein schönes Paar gewesen: der blaue Bert und seine elegant graumelierte Frau, die Cindy. Der Horwath ist ohne die Geschenkspfauen nach Wien gefahren und hat der Horwathin zum Geburtstag die Geschichte von ihrem Geschenk erzählt. Die Horwathin hat gelacht. Es ist übrigens nicht wahr, was im Dorf erzählt wird, dass die Mimis die Pfauen gejagt und solcherart verscheucht haben: Die Pfauen waren ja ganz frisch im Hof vom Horwath, und seien wir ehrlich, sie hätten, so habe ich’s jedenfalls hinterher auf www.pfauenforum.de gelesen, erst einmal ein Zeitl eingesperrt und von ihrem neuen Besitzer gehätschelt und angefüttert gehört, plus der Horwath hat komplett unterschätzt, wie hoch so ein Pfau fliegen kann. Der Horwath hätte vielleicht die Frage des Pfauenhändlers ernster nehmen sollen, wo er denn seine Burg habe. Wieso Burg? Darum. Zu spät.

Beziehungsweise nicht. Am Abend darauf hat mir der Horwath ein SMS geschickt: Der Pfau sitzt am Dach vom Nachbarstadl und singt alle drei Minuten ein traurig Liedchen. Na da schau her. Und ja, es war zweifelsfrei der Bertl, der verzweifelt nach der Cindy rief, die allerdings blöderweise Richtung Wald a.k.a. Richtung Fuchs geflüchtet war. Der Bertl rief die ganze Nacht und übersiedelte anderntags auf das Dach von Künstlers, mit oder ohne die freundliche Unterstützung des Bauern, der auch ein Gewehr besitzt. Nichts Genaues weiß man nicht, aber der Pfau blieb erstmal dort am Dach und im Hof von Künstlers wohnen, die kein Gewehr haben.

Der Lange und ich haben uns mächtig abgehauen und jedem die lustige Geschichte vom Horwath-Pfau am Künstlerdach erzählt, bis zum Wochenende, als uns bewusst wurde, dass das Künstlerdach exakt vis-à-vis von unserem Schlafzimmerfenster errichtet wurde bzw. umgekehrt. Wir lernten: So ein Pfau braucht nicht viel Schlaf. Der Pfau ist ein entschiedener Frühaufsteher. Er unterhält sich gerne mit den ersten frühen Vögeln, den Amseln und den Meisen, mit dem Unterschied, dass er ein Alzerl lauter zwitschert.

Um halb fünf fing der Bertl an, nach der Cindy zu rufen, das war noch ganz schön, eigentlich, so ein melancholisches, aber doch auch optimistisches Zweitonrufen alle paar Minuten, im Prinzip musikalisch sehr ansprechend, wenn man dazu nicht unbedingt schlafen will. Leider antwortete Cindy nicht, und so gegen fünf wurde der Pfau sehr traurig und fing fürchterlich an zu weinen, und weinte dann so bis halb acht. Das macht er jetzt jeden Morgen. Der Horwath hat ihn einmal gehört und hatte dann plötzlich keine Zeit mehr, sich um die Pfauenjagd zu kümmern. Sollte er besser, denn bei Amazon gibt es Steinschleudern schon ab 5,90 Euro, ich habe schon gegoogelt.


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