Fragen Sie Frau Andrea

Arsch und Friedrich in Seife und Oper

Kolumnen | aus FALTER 26/11 vom 29.06.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

als ich wieder mal in den USA und auf der Suche nach Abercrombie-&-Fitch-Bekleidung für meine Nichte war, hatte ich ein T-Shirt in der Hand, auf dem der Name mit "A & F“ abgekürzt war. Na ja, dachte ich, das könnte man in Wien als Abkürzung von "Arsch & Friedrich“ interpretieren. Kommt wohl nicht so gut. Aber: Woher kommt eigentlich der Spruch, "Das war für Arsch und Friedrich“? Danke.

Heinz Rometsch

per Bernsteinfunkennachricht

Lieber Heinz,

Redewendungen, in denen ein Friedrich, ein Fritz oder gar ein "alter Fritz“ vorkommen, werden gemeinhin mit Friedrich II. von Preußen assoziiert, gehen aber nach der Deutung des deutschen Wortforschers Müller-Fraureuth wohl auf seinen Vater, König Friedrich-Wilhelm I., zurück, der während seiner Regentschaft auf äußerste Sparsamkeit bedacht war und dessen Untertanen in großer Armut lebten. So bedeutet die französische Redewendung "travailler pour le roi de Prusse“ - arbeiten für den König der Preußen - so viel wie umsonst arbeiten.

Auch der von Ihnen zitierte Spruch geht nicht auf Friedrich den Großen zurück und auch nicht auf seine Neigung zu den langen Kerls. Den Arsch, zu dem der Friedrich gehört, finden wir bereits im Mittelalter. Und zwar in einer Geschichte, die im späten Mittelalter spielt und im zweiten Band der berühmten Zimmerischen Chronik beschrieben wird.

Die blumige Familiensaga der schwäbischen Herren und Grafen von Zimmern wurde 1540 bis 1566 von Froben Christoph von Zimmern verfasst - eine adelige Soapopera aus dem 16. Jahrhundert. Unser Zitat kommt in einer urbanen Legende vor, die am Hof des Kaisers spielt. Ein gewisser "graf Hainrich von Hardek“ will "vor kaiser Friderrichen dem dritten ein schöne redt thon“, vergeigt aber den deklamatorischen Auftritt und bekennt unverhohlen: "Es reimpt sich das gar nit, so wenig, als ars und Friderrich.“ Der Habsburger, nicht mundfaul, zahlt in gleicher Münze zurück: "Ei, warumb nit dreck und Hainrich?“

Dreck und Heinrich sind in Wien nicht anzutreffen. Wohl aber Arsch und Friedrich. Im rechten Seitenschiff des Stephansdoms befindet sich das Grabmal von Friedrich III. aus Adneter Marmor.


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