Kritik

Heimat zwischen Zwiespalt und Nostalgie

Lexikon | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Der Begriff Heimat, dessen Bedeutungsdichte im Deutschen kaum ein Pendant in einer anderen Sprache hat, ist seit seiner Verwendung im Dritten Reich ambivalent geworden. In der bildenden Kunst spielt er meist nur im Zusammenhang mit Kitsch eine Rolle, wenn die Motivwelt heile Welt zitiert oder persifliert wird. Bei einem Arbeitsaufenthalt in Johannesburg hat sich die Kuratorin Claudia Marion Stemberger dem Thema aber nun mit Blick von außen genähert und zeigt in ihrer gelungenen Ausstellung "Farewell to Longing“ im Kunstraum Niederösterreich auch Arbeiten südafrikanischer Künstler.

Besonders die virtuosen Animationsfilme von Safia Stodel faszinieren: Vor dem Hintergrund der Zwangsumsiedelungen von Bevölkerungsgruppen an den Rand von Kapstadt lässt die Künstlerin Kartonhäuser aufstehen und verrutschen, sodass sie die heikle Frage der Repräsentation von sozialer Marginalisation mit Bravour löst. Monique Pelser hinterfragt in ihrem Projekt die Darstellung landschaftlicher Schönheiten in der südafrikanischen Geschichte, die für kommerziell-touristische ebenso wie für politische Zwecke instrumentalisiert wurden.

Bissigen Humor beweist Katharina Gruzei, die eine Gruppe von Fotografen beim Shooting einer Art Jungbäuerinnenkalender festgehalten hat. Auf den von Gruzei damit produzierten Postkarten ist es peinlich zu sehen, wie lange Objektive in einer scheinbar intakten Bergwelt nach nackten Tatsachen gieren. Aber auch Nostalgie spart die Schau nicht aus: Zilla Leuteneggers intime Videoinstallation "Passato Remoto“ führt mit dem Schatten eines schaukelnden Mädchens in die spielerische Versunkenheit der Kindheit zurück und auch Conny Habbel versucht wieder zu schrumpfen, indem sie sich in Räumen ihres Elternhauses zusammenkauert. NS

Kunstraum Niederösterreich, bis 23.7.


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