Neu im Kino

"Sennentuntschi“: Alpinhorror im Stroh

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Diese schweizerisch-österreichische Koproduktion (Regie: Michael Steiner) nimmt sich viel vor. Das "Sennentuntschi“, eine von Sennern aus Hybris und Stroh gebaute Sexpuppe, erwacht zum Leben und rächt sich an den Vergewaltigern. Diese alte Alpensage wird ohne Scheu vor Naturkitsch, Verderbtheitsschelte und Szenarien bizarrer Grausamkeit ins Heute versetzt - vielmehr: in die kurze Distanz einer 1975 spielenden Rückblendenhandlung.

Davon ausgehend entfaltet der Film seinen reflexiven Umgang mit dem Motivbestand, hält dessen Glaubwürdigkeit in Schwebe.

Wir sehen das absinthberauschte Treiben dreier Schweizer Almwirte mit einer mysteriösen, sprachlosen jungen Frau und Ermittlungen eines arglosen Dorfpolizisten (Burgschauspieler Nicholas Ofczarek) in Abgründen aus Bigotterie, Lynchjustiz, Kindesmisshandlung und verdrängter Schuld der Kirche.

Sagen wir: Gebirgsgruselvariante von Mindgame-Kino, die mythische Ängste neu liest, als kulturell verbrämte Dynamiken der Entrechtung. Allein, eine wohlwollende Sicht scheint der Film kaum zu brauchen, weil er sich selbst schon so gut findet: Wie er seine Komplexität (vertrackte Parallelplots mit inneren Wendungen) bei gleichzeitiger Wucht in Schauspiel, Dekor, Orchestermusik und Kameraführung ausstellt, das erdrückt die meisten Ansätze zur Atmosphärik oder Beobachtung von Situationen, wie sie filmischer Horror (mit Alpinsetting) bieten würde.

Ab Fr in den Kinos


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