Noch einmal Tanz und bildende Kunst: die Serie "Unturtled“ von Isabelle Schad und Laurent Goldring

Extra | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Text: Wolfgang Kralicek

Das Wort "entschildkrötet“ gibt es gar nicht, und angeblich beruht der Titel ja auf einem Tippfehler. Sie habe eigentlich "Untitled“ schreiben wollen, sagt die deutsche Tänzerin/Choreografin Isabelle Schad über ihre vierteilige Performance-Serie, die den Titel "Unturtled“ trägt; zwei Folgen sind bei ImPulsTanz zu sehen.

Obwohl es eine Soloreihe ist, spielt nicht Schad die Hauptrolle, sondern ihr Kostüm. Gestaltet wurde es von dem französischen Künstler Laurent Goldring, der in Folge 4 - als "looking voice“ - auch auf der Bühne ist.

Die Tänzerin verschwindet in dem Kostüm, das in "Unturtled“ wie eine Prothese, wie ein künstliches Organ behandelt wird. Es geht um ganz grundsätzliche Fragen in diesen Stücken. Was für ein Bild machen wir uns von einem Körper? Wenn das Kostüm ein Organ, eine zweite Haut ist, ist der kostümierte Körper dann nackt? "Wann zuletzt ist zum Tanz derart genüsslich philosophiert worden?“, fragte sich der Berliner Kritiker Arnd Wesemann, nachdem er "Unturtled #3“ gesehen hatte.

Schad kommt vom klassischen Ballett, sie arbeitet seit 1999 frei und ist seit 2005 Mitglied im Kollektiv Praticable, dem unter anderem auch Alice Chauchat angehört; bei ImPulsTanz waren Schad und Chauchat 2008 mit "Ohne Worte“ vertreten. Der Videokünstler Laurent Goldring ist durch seine Kooperation mit Benoît Lachambre und Louise Lecavalier ("Is You Me“, 2010) bekannt. Für seine Arbeit hat er selbst den schönen Begriff "bodymade“ geprägt. Auch dieses Wort gibt es nicht. Aber es passt wie der Panzer auf die Schildkröte.

Unturtled #1 & #4: 18.7., 20.45 & 22.00, Kasino am Schwarzenbergplatz


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