Genug ist nicht genug? Doris Uhlich rechnet mit dem Schönheitsdiktat ab

Extra | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Text: Ulli Moschen

Ist die Schönheit eines Körpers messbar? Aber ja, es gibt dafür sogar eine Formel: Y = b0 + b1 * x1 + b2 * x2 + ... + bn *xn.

Die mathematische Gleichung beruht auf standardisiert fotografierten Körpern, diversen Attraktivitätsurteilen und den Körpermaßen der beurteilten Figuren. Ein schlechter Scherz? Nein, dieses Service findet sich auf einer Homepage namens www.beautycheck.de tatsächlich.

Die österreichische Choreografin und Performerin Doris Uhlich nahm sich in ihrem unorthodoxen Stück "mehr als genug“ 2010 der Frage nach der Schönheit des Körpers und der Wichtigkeit der äußeren Hülle an, beim ImPulsTanz-Festival zeigt sie nun die englische Version "more than enough“. Mit Baudelaire, Pelzmantel, goldenen Pumps, Hochsteckfrisur, entspannter Nacktheit und live geführten Telefoninterviews rechnet Uhlich darin gemeinsam mit Rosas-Tänzerin Tale Dolven mit dem Schönheitsdiktat ab.

2008 war Doris Uhlich noch Nachwuchskünstlerin bei [8:tension]. Heute ist sie eine der international gefragtesten österreichischen Choreografinnen. In ihren Stücken beleuchtet sie neben der Normierung des Körpers auch die Konventionen und Codes des klassischen Balletts ("Spitze“, 2008), holt auf der Suche nach Privatheit im Tanz performende Laien ("Glanz“, 2009) oder sogar ihre Mutter ("Uhlich“, 2011) auf die Bühne und wagt sich, höchst gelungen, an Michel Fokines Klassiker "Der sterbende Schwan“ heran ("Rising Swan“, 2010). "Mich interessiert Fremdes und Nicht-Perfektes, ich suche den Perfektionismus im Instabilen“, erklärt Uhlich. "Der Rahmen in meinen Stücken ist meist sehr klar gesteckt, nur die Körper sind nicht normiert.“

more than enough: 7.8., 21.00, Museumsquartier, Halle G


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