Vor 20 Jahren im Falter  

Falter & Meinung | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Wie wir wurden, was wir waren

Kriegstage

Allerhand los vor 20 Jahren im Falter und in der Welt. Die Verleihung des Preises der Stadt Wien für Publizistik an den Autor dieser Kolumne fand unter den Auspizien statt, unter denen sie im Land des Krone-Heute-Österreich-Maßstabs noch immer stattfinden würde: Thurnher sei nicht preiswürdig, sagte Laudator Konrad Paul Liessmann, denn er sei "für die hiesige Medienlandschaft völlig untypisch“.

Wer möchte für diese Landschaft typisch sein? Ich nicht. Im Übrigen kollabierte gerade Jugoslawien. Wir hatten zwar keinen Frontkorrespondenten (anders als die Presse, deren Feuilletonchef aus gesicherter Bundesheer-Etappe den "Mond über den windischen Büheln“ besang), aber ich erinnere mich gut, wie ich gemeinsam mit dem Kollegen Thomas Vašek die slowenische Vertretung in Wien aufsuchte, so abgefuckt wie die Falter-Redaktion, wo uns der zuständige freundliche Presseattaché versicherte, Slowenien sei auf den Krieg gut vorbereitet. Es sei kein nationaler Konflikt, der da stattfinde, sondern "einer zwischen Demokratie und Militarismus“. Borut Sommeregger hieß er, und er sollte Recht behalten. Die Volksarmee setzte sich nicht durch. Zwar hatte der Zentralstaat den Slowenen angedroht, in zwei Stunden mit ihnen fertig zu sein, aber der slowenische Zivildiener Janez Janša hatte längst im Ausland Waffen gekauft und die slowenische Verteidigung vorbereitet.

Einen innenpolitischen historischen Nebenschauplatz gab es in Wien: jenen ÖVP-Parteitag, an dem Erhard Busek zum Nachfolger des gern mit dem Attribut "glücklos“ versehenen braven Josef Riegler gewählt wurde. Es war ein harter Kampf gegen Bernhard Görg, der im Schatten des weit härteren Kampfs am Balkan verlief. Eine Staatssekretärin beschrieb die Stimmung: "Ich fürcht mich weniger vor der Obmannwahl als vor dem morgigen Tag. Denn da wird sich zeigen, ob die ÖVP die inhaltliche Belastungsprobe aushält. Da zieht ja jeder in eine andere Richtung.“ Die gute Frau hieß Maria Fekter. AT


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