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Wie kommen Sie in eine Sitcom im Kosovo, Frau Lunacek?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Die österreichische EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek fungiert als Kosovo-Berichterstatterin des Europäischen Parlaments. Als solche trat die Grüne kürzlich in der populären kosovarischen Sitcom "Kafeneja Jone“ ("Unser Café“) auf.

Was machen Sie in einer kosovarischen Sitcom, Frau Lunacek?

Ich bin zu einem Gastauftritt eingeladen worden und nutze auch populäre Medien sehr gerne, um die europäische Idee im Kosovo zu verbreiten. Kollegen, die allein bierernste Politik betreiben, gibt es ohnehin genug.

Die Idee ging nicht von Ihnen aus?

Nein. Ich bin im Kosovo aufgrund meiner Arbeit für das Land eine sehr bekannte und beliebte Persönlichkeit. Wahrscheinlich wollten sie mich deshalb für die Sendung.

Konnten Sie beim Skript mitreden?

Als mir die Sendungsmacher vorgeschlagen haben, gekaufte Scheinehen, also den Tausch von Geld gegen Heirat, zu thematisieren, musste ich herzlich lachen.

Ihnen wurden im TV 3000 Euro angeboten. Gibt es derartig unmoralische Angebote auch in der Realität?

An mich nicht, weil die Leute wohl wissen, dass das nicht funktioniert. Der Versuch, auf unlauterem Weg in die EU zu gelangen, ist aber nach wie vor verbreitet. Die Kosovaren sind ja die Einzigen am gesamten Westbalkan, die noch nicht frei reisen dürfen. Mit der Reisefreiheit würde es auch weniger unmoralische Angebote dieser Art geben.

Mit Spanien, Griechenland, Zypern, Rumänien und der Slowakei haben fünf der 27 EU-Mitglieder den Kosovo nicht anerkannt. Gibt es hier Bewegung?

Das ist viel zäher, als ich dachte. Obwohl der Internationale Gerichtshof vor einem Jahr geurteilt hat, dass die einseitige Unabhängigkeitserklärung des Kosovo völkerrechtlich in Ordnung war. Diese Uneinigkeit schadet der gesamten EU und dem Bild, das sie im Kosovo abgibt. Die Kosovaren wissen nicht, wofür die EU eigentlich steht.

Interview: Stefan Apfl


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