Mediaforschung  

Herr Putz, muss Werbung für Mineralwasser sexy sein?

Nachfragekolumne

Medien | Nathalie Grossschädl | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Sie streicheln sich mit Kirschen, sie fahren sich gegenseitig mit Fingern in den Mund, sie schütten sich das prickelnde Nass über ihre leicht bekleideten Körper. Im neuen Römerquelle-Spot picknicken junge, schöne Menschen im Grünen und geben sich dabei freizügig. Viel Haut ist zu sehen, das Abendlicht auf der idyllischen Wiese ist dämmrig, die Hintergrundmusik lasziv. Am Ende des Spots haucht eine Stimme "Römerquelle belebt die Sinne“.

Mineralwasser als Aphrodisiakum? Diesen Marketingkniff wendet der burgenländische Wasserabfüller schon lange an. "Bei Römerquelle ist Erotik und Kulinarik seit über 30 Jahren Bestandteil der Marke“, sagt Andreas Putz, Geschäftsführer der Agentur Jung von Matt. Der aktuelle Spot ist also total retro und soll an die bekannte Kampagne aus den 80er-Jahren erinnern. Damals verpasste sich das Unternehmen den Werbeslogan "Römerquelle belebt die Sinne“ und setzte erstmals auf Sexappeal. "Die damalige Kampagne zeigte Menschen in mehr oder weniger sinnlichen Picknicksituationen und sorgte für Furore“, meint Putz. Sein jetziger Spot, der ein bisschen wie ein 30-sekündiger Softporno anmutet, gehe also "zurück zu den Wurzeln“.

Warum muss Mineralwasserwerbung denn mit Sex aufgeladen werden? Auf diese Frage wollte der Werber nicht so recht antworten, ließ lieber einige Worthülsen wie "Vitalität“, "Kulinarik“, "Bacchanal“ fallen.

Womöglich ist die Antwort aber ganz simpel. Nüchtern betrachtet ist Mineralwasser ein fades Produkt. Es schaut unspektakulär aus und schmeckt nach nichts. Also müssen Werber das Produkt mit Emotion beladen, damit der Kunde im Regal doch zur Marke greift. Keine Frage: Sex ist ein guter Motivator, doch ein paar Cent mehr für Wasser auszugeben.


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