Selbstversuch

Das kann einen Mann schon am Jagen hindern

Kolumnen | Doris Knecht  | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Am Freitag bin ich hinüber zu Künstlers, die uns mit ihrer heimlichen Heirat überrascht haben: Meinen allerherzlichsten Glückwunsch zur Vermählung, ihr Spießer! Möget ihr immer etwas zu reden, zu streiten und am Hof umzubauen haben und zusammen glücklich bleiben, bis dass der Tod euch scheidet oder es der Gattin im Waldviertel wieder zu einsam wird. Apropos, weil wir gerade davon reden, der Pfau. Der Bertl.

Wir saßen in Künstlers schönem, grünem Innenhof, Künstler hatte mir ein Stück Hochzeitstorte kredenzt und von Hand Kaffee gemahlen und aufgesetzt. Der Kuchen war gut. Und während wir so an der warmen Wand saßen und über den Pfau sprachen und seine Weckrufe, und wie ich so sagte, dass der Lange und ich der Meinung seien, der Pfau sei im von unserem Schlafzimmer weit entfernten Gehöft seines ursprünglichen Besitzers sehr viel besser aufgehoben, und wie so der Künstler sagte, na, ihn und die Künstlerin störte der Pfau eigentlich gar nicht, da wurde mir auf einmal klar: Die haben den Bertl liebgewonnen. Na, klar, der Pfau wohnte ja jetzt schon seit mehr als zehn Tagen bei Künstlers, seit er in das Horwath’sche Gehöft gebracht worden und nach nur einem Stündchen in seinem neuen Heim abgeflattert war, und dem Horwath war danach von krankem Kind bis hinichem Auto alles dazwischengekommen, was einen Mann an der Pfauenjagd zu hindern vermag. Der Pfau schlafe, sagte der Künstler, nachts am Dach, aber tagsüber hüpfe er, und Künstlers Stimme klang liebevoll, vom Dach herunter und spaziere still und zufrieden durch den Hof und die anliegenden Ländereien, schaue mal kurz ins Atelier hinein, schlage hin und wieder, er habe davon Fotos, ein Rad, picke auf, was die Natur und die Jahreszeit ihm bereitlege und gebe den ganzen Tag keinen Ton von sich, außer ein leises, zufriedenes Gurren dann und wann. Wo ist er jetzt eigentlich? Irgendwo da hinten.

Und wie der Künstler so vom Bertl sprach, mit leuchtenden Augen, da musste ich ihm zustimmen: Der Pfau war bei ihm und der Gattin eigentlich gut aufgehoben. Die sind die ganze Woche da und haben keine Hühner, die der Pfau paralysieren kann, und dass uns am Wochenende sein Geschrei weckt ... na gut. Hhhhmmm. Wir tranken den Kaffee und schauten in die Hügel. Und was hast du heute noch vor?, fragte der Künstler. Ich habe eine Lesung, sagte ich. Ach so, wo?, sagte der Künstler? In Köln, sagte ich.

Wie ich später beim Boarding am Flughafen saß, schickte mir der Lange ein SMS: Der Randalierpfau sei gefangen, hier der Beweis: ein Foto vom Horwath im hohen Gras, mit seinem Pfau im Arm, etwas gerötet und gezeichnet von der Pfauenjagd, aber auch ganz stolzer Besitzer. Irgendwo weit dahinter, die eigentliche Besitzerin, die Horwathin. Nirgends die Künstlers. Der Bertl wohnt jetzt im Horwathstall und heißt nun Archibald, und als ich zurückkehrte, war es ganz still in der Früh.


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