Tiere

Lärm um nichts

Falters Zoo | aus FALTER 27/11 vom 06.07.2011

Like a dull knife just ain’t cuttin’

just talkin’ loud then sayin’ nothing

James Brown

Ahh, hier weht er wieder, der feine Duft des Sommers und seiner Löcher. Die interessante Schlagzeile "Bilder von Genitalien als Konsumanreiz“ gibt uns schon eine gute Vorahnung vom Geruch der kommenden Nachrichten im Juli und August. Was steckt nun hinter der Meldung? Eine Werbekampagne für Kapuzineraffen sollte klären, ob diese Tiere aufgrund von Bildbotschaften ihr Verhalten ändern. Beworben werden zwei verschiedenfarbige Wackelpuddings, wobei einer davon auch ein Foto der Genitalien eines weiblichen Affen zeigt. Ergebnisse gibt es noch keine, aber in diesem Fall ist die Botschaft wohl auch schon alles. Angekündigt wurde die "Studie“ beim Werbefilmfestival in Cannes, und einer der Initiatoren meinte zu seinem Werbekonzept für Affen: "Wir müssen alle Denkschemata ausblenden und zum absoluten Kern kommen, was Werbung überhaupt ist.“ Wieso überrascht es nicht, wie Werber ihre Kunden sehen?

Im Vergleich dazu durchaus kleinlaut war eine Meldung auf den Wissenschaftsseiten der Printmedien über das angeblich lauteste Tier der Welt. Eine nur zwei Millimeter große Ruderwanze (Micronecta scholtzi) schafft satte 99 dB beim Zirpen unter Wasser. Dies wäre dann im Verhältnis zur Körpergröße irgendwie ein Rekord, meinte ein Forscher vom Naturhistorischen Museum in Paris. Die logarithmische Lautstärkeskala in Beziehung zu einem linearen Maß zu setzen ist auch seltsam, aber wir nörgeln da mal nicht rum.

Unter den Ruderwanzen ist Lärmerzeugung weit verbreitet. Auch bei uns leben in stehenden Gewässern sogenannte Wasserzikaden, die ihre Vorderbeine über eine scharfe Kopfkante ziehen und so zirpende Töne erzeugen. Besagte Micronecta verwendet dafür hingegen ihren Penis, den sie, nein, er über ein geriffeltes Chitinfeld am Unterleib reibt, um so Wanzenfrauen anzusprechen. Über dessen erotisierenden Aspekt berichtete aber nur der Standard.

Hier erscheint der obzitierte Werberspruch in neuem Licht: Zum absoluten Kern kommen, was Werbung überhaupt ist! Also in diesem Fall: den Schwanz raushängen lassen und ordentlich Lärm um nichts machen!

Peter Iwaniewicz ist Biologe und schreibt im Falter seit 1993 über das Tier im Menschen


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