Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Stefan Apfl | aus FALTER 28/11 vom 13.07.2011

Dass der Sommer über die Stadt kommt, merkt man zuerst am pestilenzartigen Geruch in der U1. Dass er über die Redaktion hereinbricht, lässt sich daran erkennen, dass die eine Hälfte gar nicht da ist und die andere nur bis zum Beginn des Nachmittagstarifs im Schwimmbad.

So oszilliert die Belegschaft zwischen Bosporus und Alter Donau, und der Einzige, der beides irgendwie miteinander verbindet, ist Josef Egger. Denn Josef, der unser Portiersportal schon gehütet hat, als die Sommerzeit noch nicht eingeführt war, pflegt den schönen Brauch, den Freitag einen freien Tag sein zu lassen. "Da steht man allein am Berg“, sagt er.

Wenn sich dann eines Freitagnachmittags auch das Internet der Hitze ergibt und EDV-Chef Vaclav Habich bereits in der Donau treibt, führt der erste Weg zur heimlichen Chefin Tatjana Ladstätter, der jeder immer mit allem kommen kann oder das aus Gewohnheit einfach tut. "Bei dir auch nicht?“ - "Bei dir also auch nicht?“

Der zweite und letzte Weg endet beim Freitags-Josef Stefan Kluger. Spontan entwickelt sich ein über Jahre hinweg geprobter Gesprächsablauf: "Stefan?“ - "Stefan?“ - "Geht’s nicht?“ - "Geht nicht.“ - "Schon neugestartet?“ - "Schon neugestartet.“ - "Geht’s noch immer nicht?“ - "Geht noch immer nicht.“ - "Na, sowas.“ - "Ja, sowas.“

Womit die Diskussion beendet und die Recherche auf einen zigarettenpackungsgroßen Handybildschirm verlegt wäre. Und wenn man später in Richtung U-Bahn geht, um den anderen ins Wasser zu folgen, merkt man erst, was für einen miesen Sommer jener Kolporteur vor sich hat, der über der U1 Falter verkauft.


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