Kommentar

Gender statt Race: Was die Affäre Strauss-Kahn über die USA erzählt

Identitätspolitik

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 28/11 vom 13.07.2011

Die Diskussion über die angebliche Vergewaltigung eines Stubenmädchens durch den französischen Banker Dominique Strauss-Kahn war bisher frei von antisemitischen Untertönen. Nun schleuste der Intellektuelle Bernard-Henry Lévy das Thema Antisemitismus in die abflauende Debatte ein.

In einem Kommentar in der Presse vergleicht der Franzose die Affäre Strauss-Kahn mit der Dreyfus-Affäre. Der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus wurde am Ende des 19. Jahrhunderts zu Unrecht - aus antisemitischen Motiven - wegen Verrats verurteilt.

Ähnlich wie die Rasse damals, so Lévy, führe heute die Klasse zur Vorverurteilung. Nicht Beweise hätten zur Verhaftung Strauss-Kahns geführt, sondern der politisch korrekte Zeitgeist, der die beiden Individuen zu Symbolen abstrahiere: da der weiße Banker als Sinnbild der Globalisierung, dort die erniedrigte Migrantin, Stellvertreterin der Verdammten dieser Erde.

Lévy übersieht, dass sich das Verhältnis zwischen Rasse und Klasse um den Faktor Gender verkompliziert


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige