Kommentar

Drogenkonsumräume als tatsächlicher Weg aus der Misere

Drogenpolitik

Falter & Meinung | Birgit Wittstock | aus FALTER 28/11 vom 13.07.2011

Sucht ist eine Krankheit. Das ist endlich Common Sense. Dass allerdings nicht jeder Süchtige von seiner Krankheit geheilt werden kann, fällt der Gesellschaft schwer zu akzeptieren. Die Drogenkoordination Wien hat sich in den 90er-Jahren mit dem "Wiener Weg“ zu "Therapie statt Strafe“ bekannt und ein Substitutionsprogramm entwickelt, das vielen Süchtigen das Leben immens erleichtert.

Ein Süchtiger, der seinen Stoff aus der Apotheke beziehen kann, anstatt Geld beschaffen zu müssen, hat den Kopf frei für andere Dinge. Arbeit beispielsweise. Er kann mit seiner Krankheit ein sogenanntes normales Leben führen, ohne am Rand der Gesellschaft zu versumpfen. Wenn alles nach Plan läuft, schafft er es sogar eines Tages, substanzfrei zu leben. So lautet zumindest der Plan. Die Rechnung ist allerdings ohne jenen Anteil der Süchtigen gemacht, die es nie schaffen, clean zu werden, wie das aktuelle Beispiel des Hauses in der Novaragasse zeigt (siehe Seite 14).

Für diese Menschen eignen sich die angebotenen Substitutionsmittel nur mäßig. Sie halten sie gerade einmal auf der Welle, aber für den Kick langt es nicht. Den gibt nur die Nadel.

Während in vielen EU-Staaten erfolgreich Konsumräume betrieben werden, sieht die Drogenkoordination Wien darin ein Wegweisen der Süchtigen. Das Gegenteil wäre der Fall: Sie in ihrer Unheilbarkeit zu akzeptieren und in Konsumräumen unter hygenischen Bedingungen die Drogen ihrer Wahl nehmen zu lassen - das würde Integration bedeuten. In Österreich wären sogar die gesetzlichen Möglichkeiten gegeben, um anzubieten, was in deutschen Großstädten längst reibungslos funktioniert. Es müsste sich bloß jemand für das unliebsame Thema stark machen.


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