Wieder gelesen

Bücher, entstaubt

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 28/11 vom 13.07.2011

Demokratische Geheimpolitik

Während in Österreich Internetaktivisten für mehr Transparenz kämpfen (siehe Seite 21), hat Jürgen Habermas bereits 1961 beschrieben, dass in den Institutionen unseres modernen Staats noch immer der Geist undemokratischer Geheimpolitik herrscht. Mit "Strukturwandel der Öffentlichkeit“ hat der Autor den Durchbruch zu den ganz großen Denkern der Gegenwart geschafft, was auch der Grund ist, warum das Buch viele Regale ziert, aber nur wenig gelesen wird.

Die Grundbotschaft des Werkes ist eingängig: Das Prinzip einer frei zugänglichen Öffentlichkeit, in der die Kraft des besseren Arguments zählen würde, funktioniert nicht mehr in unserer liberalen Massendemokratie. Einst musste der Zutritt zur Öffentlichkeit von den Bürgern gegen die Geheimpolitik der Monarchen durchgesetzt werden, heute müsste er erneut erkämpft werden, gegen Konzerne, Parteien und Behörden, die im Hinterzimmer künstlich Stimmungen mithilfe von PR-Strategen kreieren.

Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. 2001, Suhrkamp, 391 S., € 14,40


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