Mediaforschung

Ist das wirklich die Werbung der Zukunft, Herr Hengl?

Nachfragekolumne

Medien | Paulina Parvanov | aus FALTER 28/11 vom 13.07.2011

Wer vor kurzem in der U-Bahn-Station Stephansplatz war, dem wird eine Installation aufgefallen sein, die alle rolltreppenbenutzenden Fahrgäste auf eine Videowand projiziert. Über den Köpfen erscheinen Gedankenblasen. "Wann schreibt sie wieder?“ oder "Einfach A1“. Damit soll dem Kunden die neue A1-Markenwelt kommuniziert werden. Kaum jemand bemerkt die kleine Hinweistafel neben der Rolltreppe: "Fahrgäste werden auf der folgenden Stationsebene Teil einer von A1 entwickelten Videoinstallation.“ Manche empfinden diese neue Werbeform als Zumutung. "Kein Mensch bezahlt mich dafür, dass ich als Werbeperson für A1 auftrete. Menschen ungefragt öffentlich darzustellen ist eine Grenzüberschreitung. Wie komme ich dazu?“, meint Frau Nela Alker.

Philipp Hengl, Projektleiter für Sonderwerbeformen bei der Gewista, hat hingegen selten so viel positive Rückmeldungen bekommen. "Es war ein Wahnsinn, wie die Leute darauf reagiert haben.“ Rechtlich sei alles abgesichert. "Es wird nichts aufgezeichnet und wir haben Informationszettel angebracht. Man kann einen anderen Abgang benutzen, wenn man nicht gefilmt werden will.“

Augmented Reality heißt die Technik, bei der die Realität mit virtuellen Elementen "angereichert“ wird. Müssen wir uns daran gewöhnen, Teil der Werbung zu sein? "Ich glaube, dass diese Art der Werbung in Zukunft noch zunehmen wird - Passanten werden sich auch aktiv einbringen können.“ Das ist auch die Meinung von Gerald Richter, Geschäftsführer von Richter Solutions, dessen Firma für die Umsetzung des Station Brandings verantwortlich war. "Aber es gibt immer eine Kehrseite. Persönlichkeitsrechte müssen geachtet werden.“ Wer nicht Werbeobjekt werden möchte, sollte bis 15. Juli am Stephansplatz lieber den Lift nehmen.


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