Kritik

Würzige Botschaften von der Scannerplatte

Lexikon | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Bereits seit drei Jahren betreibt Lucie Stahl den Offspace Pro Choice, den sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Will Benedict gegründet hat. Nun ist aber auch einmal die eigene Kunst in Wien dran: Ab September wird die 1977 geborene Deutsche bei Augarten Contemporary als Nominierte des Kunstpreises BC21 gezeigt, und noch bis Ende Juli läuft ihre spannende Schau bei Meyer Kainer.

Die plakatgroßen Tintenstrahldrucke der Ausstellung zeigen Alltagsobjekte und -materialien, etwa Cola-Dosen, Scheren oder Schaum, die sie direkt auf dem Scanner arrangiert und gespeichert hat. Wie sie die Dinge mixt, lässt in seinen verführerischen Farben und Oberflächen an die Werbe- und Magazinästhetik der 80er-Jahre denken. Aber auch "abstrakte“ Arbeiten existieren, etwa wenn die Künstlerin Salz und Paprikapulver wie Pigmente verstreut, ölige Flüssigkeiten verwendet oder kleine Sachen stark vergrößert.

Text spielt in etwa die Hälfte der Arbeiten hinein, und wie sich hier beschriftete Zettel unter das Zeug mischen, macht neugierig. Der Inhalt fällt anekdotisch aus, Beobachtungen aus der eigenen Biografie oder aus dem Kunstbetrieb. So sinniert Stahl etwa über Frauenfeindlichkeit in der Werbung und in der Kunstwelt.

Für ihre Poster verwendet Lucie Stahl eine kongeniale (Rahmungs-)Technik: Die Drucke wurden mit transparenten Polyurethan übergossen, sodass sie wie dick eingeschweißt aussehen. Sogar Fehler wie Unebenheiten machen sich dabei sehr gut, vertiefen sie doch den plastischen Eindruck; die zackigen Außenkanten verleihen den Bildern überdies etwas sehr Störrisches. Die Schau hat definitiv Glamour, etwa eine Arbeit wie "Superficial“, bei der es sich leicht um den ausgeleerten Handtascheninhalt eines Supermodels handeln könnte. NS

Galerie Meyer Kainer, bis 30.7.


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