Kritik

Vom Betrachter zum Darsteller zum Betrachter

Lexikon | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Leise rattert der Projektor, aber nirgends findet eine Vorführung statt. Der Sound zieht sich wie Begleitmusik durch die aufwendige und genau choreografierte Schau "Temporary Projections“ von David Maljkovic, bei der sich alles um Film dreht. Im ersten Raum der Galerie Georg Kargl steht eine Filmapparatur, der der kroatische Künstler jedoch eine weiße Box übergestülpt hat. Selbst wenn darin etwas projiziert würde, könnte es der Betrachter nicht sehen. Solche Ausschlussmomente finden sich mehrere in der Schau; andererseits schließt der Künstler aber auch jene Hinterzimmer der Galerie für die Besucher auf, die normalerweise nicht zugänglich sind.

Der Weg dorthin führt aber noch an einem riesigen Beleuchtungsschirm vorbei, der mit seinem Lichtschein ganz an die Wand gerückt ist und an einem Tisch, der die Abnützungsspuren von darauf produzierten Linolschnitten zeigt. Die Umgestaltung des Hauptsaals stellt aber zweifellos die interessanteste Etappe der Schau dar, kann man dort doch nach Belieben zwischen der Position des Betrachters und der des Darstellers hin und her wechseln.

David Maljkovic hat eine Art dunklen Zuschauer- oder Vorführraum installiert, dessen großes Fenster den Blick in den White Cube mit weiteren Arbeiten des Künstlers freigibt. Durch das Back Office der Galerie lässt sich der Ausstellungsparcours dorthin fortsetzen. Die dunkle Glasscheibe, die sich einem dort jeden Ausblick verweigert, lässt gar an Polizeiverhöre oder wissenschaftliche Experimente denken.

Maljkovics Umbau der Galerie und das Switchen zwischen zwei Modi, seine Schau zu erfahren, sind so gelungen, dass seine anderen Werke fast nur mehr wie Requisiten eines Filmsets wirken. NS

Georg Kargl Fine Arts, bis 13.8.


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