Meinesgleichen

Ein versöhnlicher Vorschlag zur Verbesserung der Hymne

Falter & Meinung | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Auch ich möchte etwas über die Bemühungen sagen, die Bundeshymne zu verbessern. Trotzdem bitte ich Sie, nicht zu lesen aufzuhören, denn dies ist keine mieselsüchtige Glosse eines misogynen Anti-Genderanten. Mir kann gar nicht genug gegendert werden. Wenn ich von der Wiener Innenstadt lese, denke ich reflexartig, wie schön, dass es nicht WienerInnenstadt heißt, aber gleich klopfe ich mir metaphorisch auf die Finger und rate mir, mich am Riemen zu reißen. Eine Änderung der Bundeshymne halte ich nämlich für angebracht, aber bitte nicht so. Die Husch-pfusch-Lösung mag gendergerecht sein, ästhetisch ist sie eine Schweinerei. Statt "Heimat bist du großer Söhne“ soll es künftig heißen "Heimat großer Töchter, Söhne“.

Das ist deswegen doof, weil beim Singen daraus Töchtersöhne werden - ein Pleonasmus, der höchstens Muttersöhne evoziert. Ein "und“ statt des Beistrichs, und das Problem wäre gelöst. Das "und“ ließe sich mühelos mitsingen, denn in den Noten stehen dort zwei Achtel, man singt also eh "Töchte-her-Söhne“, das "und“ wäre also musikalisch besser. Text und Musik der Hymne sind aber insgesamt unbefriedigend (der große Germanist Jeannée hat auf die "Brüderchöre“ und das "Vaterland“ verwiesen). An die Musik haben wir uns gewöhnt, aber warum schreibt der Bund nicht einen Wettbewerb für einen neuen Text aus? Gendergerecht, aber auch lyrisch akzeptabel? Zeit hätten wir ja, und an Dichtern wie Dichterinnen fehlt es auch nicht.

Erste Strophe Bundeshymne, neu:

1. Land der Berge, Land am Strome, / Land der Äcker, Land der Dome, /

Land der Hämmer, zukunftsreich! / Heimat großer Töchter, Söhne, / Volk, begnadet für das Schöne, / vielgerühmtes Österreich


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige