Am Apparat  

Warum giert die ganze Welt nach Gold, Herr Stöferle?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Anfang dieser Woche hat der Goldpreis die Marke von 1600 Dollar übersprungen, so teuer war eine Feinunze des Edelmetalls noch nie. Ronald Stöferle, Rohstoffanalyst der Erste Group, erklärt die Hintergründe des Booms.

Der Goldpreis ist so hoch wie nie zuvor. Ist jetzt die beste Zeit, um Omas Golddukaten zu verkaufen?

Davon würde ich abraten, weil ich erwarte, dass der Wert noch steigen wird. Für Juli 2012 rechne ich mit einem Preis von 2000 Dollar.

Es hat also auch keinen Sinn, sich jetzt das Zahngold aus dem Mund nehmen zu lassen?

Nein, das Gold ist im Mund sehr gut aufgehoben.

Sind die Schuldenkrise in Europa und der Haushaltsstreit in den USA für den Preisboom verantwortlich?

Oberflächlich betrachtet: ja. Nicht der Goldpreis steigt, sondern der Euro und der Dollar verlieren an Wert. Der zweite und vielleicht noch wichtigere Grund für den hohen Preis findet sich im ökonomischen Aufschwung von China und Indien. Die größten Käufe passieren in diesen beiden Ländern, weil dort Gold aus historischen Gründen stärker als Währung wahrgenommen wird.

Warum ist es gerade Gold, nach dem die Menschheit giert?

Fakt ist: Es wird seit mehr als 5000 Jahren als Währung verwendet. Der wichtigste Faktor für seine heutige Bedeutung ist, dass die Neuproduktion keinen großen Einfluss auf die Preisentwicklung hat. Weltweit sind 170.000 Tonnen Gold im Umlauf, jährlich werden nur 2500 Tonnen abgebaut, und die Erschließungskosten werden immer höher. Das garantiert einen stabilen Preis, weil niemand den Markt überschwemmen kann.

Viele Menschen bunkern Gold aus Angst vor einem Kollaps unseres Wirtschaftssystems. Ist das sinnvoll?

Ich kann Ihnen versichern, wenn unser Wirtschaftssystem zusammenbricht, haben wir andere Sorgen als den Goldpreis.

Interview: W. Zwander


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