Heimwärts 2

Zwischen Melodie und Menschenrechten

Politik | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

In Rechnitz gräbt der Pianist Paul Gulda nach jener Vergangenheit, der sich Österreich lange nicht stellen wollte

Ortsbesuch: Sibylle Hamann

Es muss ein heftiges Fest gewesen sein im Schloss der Grafen Batthyány, ein Fest nah am Abgrund. Es war der 24. März 1945, die Rote Armee rückte täglich näher. Draußen, gleich vor Rechnitz, wurde der Südostwall aufgeschüttet, der letzte Abwehrriegel gegen den Zusammenbruch. Eben hatte man 1000 ungarische Juden zur Zwangsarbeit an den Wall gekarrt. 200 von ihnen lud man am Rechnitzer Bahnhof wieder ab. Sie waren zu schwach zum Arbeiten. Unbrauchbar.

Es ist anzunehmen, dass im Schloss getrunken wurde. Die komplette örtliche Nazi-Prominenz war da, die Bauleitung des Südostwalls inklusive. Im Laufe der Nacht muss jemand angerufen und die Ankunft der 200 Juden gemeldet haben. Ortsgruppenführer Franz Podezin verteilte Munition. Irgendwann dann muss ein Trupp von 14, 15 Festgästen losgezogen sein, zwei Kilometer weit, zu einem kreuzförmigen Stallgebäude.

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