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Bücher, kurz besprochen

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Flick - ein langer Schatten

Im aktuellen Bericht über die reichsten Österreicher steht der Name Ingrid Flick, Witwe des verstorbenen Unternehmers Friedrich Karl Flick, mit einem Vermögen von 6,2 Milliarden Euro an zweiter Stelle.

Wie dieser Reichtum zustande gekommen ist, zeigt ein jüngst erschienenes Buch über Ingrid Flicks Schwiegervater Friedrich Flick. Ein Autorenteam rund um den Historiker Norbert Frei beschreibt, warum der Name Flick in Deutschland schon lange nicht mehr für den Begründer einer erfolgreichen Industriellendynastie steht, sondern als Chiffre für schmutzige Verbindungen zwischen Kapital und Politik.

Der Bauernsohn Flick war ein ebenso cleverer wie in der Wahl seiner Geschäftspartner anspruchsloser Mann: Er reüssierte sowohl in der Kaiserzeit als auch in der Weimarer Republik, er förderte die Nazis und baute Waffen für den NS-Angriffskrieg, sein Firmengeflecht profitierte von jüdischen Zwangsarbeitern und seine Vertrauten schmierten in der Bonner Republik zeitweise alle im deutschen Bundestag vertretenen Parteien.

Das dicke, sehr ins Detail gehende Buch ist aber nicht als Abrechnung mit einem skrupellosen Geschäftsmann zu lesen, sondern als Anklage gegen das vergangene Jahrhundert.

Wie konnte ein Mann, der zu den wichtigsten Förderern des SS-Chefs Heinrich Himmler gehörte, dessen Konzern von den Alliierten zerschlagen und der vom Nürnberger Gerichtshof zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, wie konnte so ein Mann innerhalb weniger Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zum reichsten Deutschen werden? Die Lektüre von "Flick“ gibt auf diese Frage eine detaillierte Antwort, die die gesamte Nachkriegsgeschichte Westdeutschlands in keinem guten Licht erscheinen lässt.

Norbert Frei, Ralf Ahrens et al.: Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht. Pantheon, 912 S., € 20,60


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