Enthusiasmuskolumne  

Lärm und Gefühl in der Staatsoper

Diesmal: Das beste Konzert der Welt der Woche

Gerhard Stöger | Feuilleton | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Popstar aus den 80ern in der Wiener Staatsoper auftritt. Alljährlich Anfang, Mitte Juli, wenn der Hochkulturtempel seine Pforten dem Jazz Fest Wien öffnet, stehen die Chancen dafür ganz gut. Das mit dem Jazz sieht man beim Jazz Fest nämlich nicht so eng. Und manchmal ist das auch gut so.

Heuer hat es die US-Sängerin Cyndi Lauper getroffen, die einst mit Madonna um den Thron der Popprinzessin gerittert und mit fröhlich-feministischen Hymnen die Charts dominiert hatte. Eine davon, die Selbstbefriedigungshymne "She Bop“, gab sie in der Oper bereits als dritten Song und turnte dazu, ganz das für immer junge Gör, ausgelassen durch die Zuschauerreihen. Das sorgte für Aufregung und Entzücken und reichlich Handtelefonblitzgewitter.

Gewonnen hatte Lauper an diesem Abend bereits vor dem ersten Song: Die mit knallroter Wuschelhaarperücke und fledermausartigem Lederkostüm auftretende Sängerin sagte zur Begrüßung artig "Guten Abend“. Sie fragte, "Wie geht’s?“, und dann kreischte sie etwas gar forciert: "Einen Lärm machen!“ Die Reaktionen fielen verhalten aus, woraufhin die Sängerin ihren Spickzettel hervorholte und leicht irritiert fragte, ob man ihr "make some noise!“ denn falsch übersetzt und ihr etwas Unanständiges in den Mund gelegt habe. Sie hatte damit nicht nur die Lacher, sondern auch alle Sympathien auf ihrer Seite.

Neben Laupers Charme überzeugte auch die Musik: Unterstützt von einer hochkarätigen und doch nie ins Profimuckertum abdriftenden Band punktete sie mit Bluessongs ebenso wie mit den alten Chartshits. Sie erzählte von ihrer ersten Band, mit der sie einst Janis Joplin nacheiferte, brachte allzu penetranten Handyfotografen freundlich, aber bestimmt Manieren bei, animierte mit "Girls Just Want To Have Fun“ die gesamte Oper zum Tanzen und entließ das Publikum mit einer solo interpretierten Version von "True Colors“ schließlich tief berührt in die Nacht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige