Der Erfinder des Minderwertigkeitskomplexes

Feuilleton | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Warum der Wiener Psychologe Alfred Adler (1870-1937) erst jetzt in seiner Heimatstadt die letzte Ruhe fand

Reportage: Matthias Dusini

Die Enkelin des Toten hatte ein Mikrofon in der Hand, als die Urne Alfred Adlers am Zentralfriedhof ihre letzte Ruhestätte fand. Margot Adler Meets arbeitet seit 33 Jahre für das National Public Radio und kam nun nach Wien, um an der Trauerfeier für den 1937 im schottischen Aberdeen verstorbenen Freud-Schüler und Begründer der Individualpsychologie teilzunehmen, der so schillernde Begriffe wie "Lebensstil“ oder "Minderwertigkeitskomplex“ geprägt hat. Adler war auf einer Vortragsreise in Schottland unterwegs, als er an Herzversagen verstarb. Der Leichnam wurde eingeäschert, seine Urne geriet in Vergessenheit.

Vor einigen Jahren begann eine Wiener Gruppe von Psychologen den Verbleib von Adlers sterblichen Überresten zu recherchieren. Die Folge war ein langwieriger Behördenweg. Und nun steht die Grabstelle im Bereich der Ehrengräber des Zentralfriedhofes,


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