Stadtrand 

Harder! Louder! Jeder hat ein Recht auf Lärm!

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Matthias Dusini | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Man kann es auch übertreiben. Etwa indem man Death-Metal-CDs in der U-Bahn so laut hört, dass der Hund im Mittelgang zu jaulen beginnt. Aber noch nerviger sind die Zeitgenossen des Musikfans, die den Kopf schütteln und ihm am liebsten die Stöpsel an den weißen Nudeln aus den Ohren reißen würden. Über ihrem zornigen Kopf steigt eine Sprechblase mit bösen Symbolen auf: gotische Hackbeile und Totenköpfe. In Zeitungskommentaren wettern sie dann gegen akustische Umweltverschmutzung und die Rüpelhaftigkeit der Jugend.

In der Hausgemeinschaft setzen sie das Ballverbot im Innenhof durch - "zu laut“ - und verdammen die Jungs zum Frauensport Federball. Am Sonntag beschweren sie sich darüber, dass man um sieben Uhr morgens vor dem Ausflug auf die Rax den Staubsauger anwirft. Wann sonst?

Die Gesellschaft ist von einer unheilvollen Geräuschphobie ergriffen, die immer bizarrere Ausmaße annimmt. Dabei gehört es zu den Grundrechten jedes Großstädters - das Recht auf Lärm.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige