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Dauerausrede: "andere Probleme“

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 29/11 vom 20.07.2011

Herwig G. Höller sitzt in allen Ressorts im Steiermark-Falter

Konfrontiert mit den Aktionen des Künstlers Josef Schützenhöfer, der sich vor Ort für Erinnerungskultur einsetzt, sagte kürzlich der Pöllauer Bürgermeister Johann Schirnhofer (ÖVP): "Ich glaube, dass Pöllau andere Probleme hat als die ganze Aufarbeitung der Geschichte.“ Dass es etwa eine Straße gibt, die nach Pöllaus Nazibürgermeister benannt ist - das spielt keinerlei Rolle.

Oder die schicke Grazer Modefirma Knilli, die stolz mit "since 1938“ ihre Firmengründung feierte - das Ergebnis einer "Arisierung“ (Falter 42/2008). Der aktuelle Firmenchef wollte davon nichts gewusst haben und unternahm nichts. "Andere Probleme“, manchmal auch "nix wissen“ und einfach durchtauchen!

Nur leider betrifft das nicht nur Pöllau und Knilli, sondern auch eines der zentralen Landessymbole: Denn die Landeshymne, die die Steiermark bis zu "Sav’“ und "Drav“ sieht und damit einen symbolischen Anspruch auf die slowenische Untersteiermark, die Spodnja Štajerska, stellt, kann seit 1941 nicht mehr als harmloses Dokument gelesen werden. Mit der Wehrmacht sind damals die steirischen Eliten einmarschiert und haben eine aggressive Germanisierungspolitik exekutiert, für die sich das offizielle Graz nie wirklich entschuldigt hat. Stattdessen ist seit Jahrzehnten im medialen Mainstream der Steiermark nur die Rede von den nachfolgenden Verbrechen der "Tito-Partisanen“. 2004 betrieb Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP) eine Modernisierung des Hymnentextes, zwischenzeitlich dachten auch die Grünen daran - passiert ist nichts. Aber wie wär’s jetzt? Nach dem Vorbild der Bundeshymne. Die wird nun auch verändert - trotz "anderer Probleme“.


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