Kritik

Von der Gelassenheit als arkadischer Tugend

Lexikon | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Wenn eine Sommerausstellung den Titel "Die Glückseligkeit“ trägt, dann mag das auf den ersten Blick schon sehr nach Ferienstimmung klingen. Der philosophisch versierte Kurator Christian Kobald vom Offspace Coco hat sich zu der Gruppenschau aber von neostoischen Schriften über die Gemütsruhe aus dem 17. Jahrhundert inspirieren lassen. Die involvierten Künstler bat er, ihrem ersten Gedanken zu dem Begriff nachzugehen. Die 1982 geborene Deutschen Carina Brandes brachte kleinformatige Schwarz-Weiß-Fotos ein, die wie im Urlaub entwickelte Miniperformances aussehen. Da scheint die nymphenhafte Künstlerin mal einen Elfenbeinballon besteigen zu wollen, ein anderes Motiv zeigt sie makellos nackt die Brücke formen. Solche "arkadischen“ Momente sollen auch Rita Vitorellis Schwarz-Weiß-Gemälde widerspiegeln, die südliche Landschaften mit Pinsel und Kohlestift, einmal sogar samt Tempel, mehr skizzieren als voll erstehen lassen.

Aus der Kunst zurückgezogen hat sich die US-Künstlerin Laurie Parsons, die Ende der 80er-Jahre mit Installationen aus Trümmern und Abfall bekannt wurde, die sie bei Spaziergängen durch New Jersey fand. Die aus dem Museum Le Consortium in Dijon entliehene Arbeit "Troubled“, die aus Holzbrettern, Müll und Staub besteht, mag in ihrer Form zufällig aussehen und ist doch sehr kontrolliert entstanden. In dieser Arte povera kann auch eine Art Gemütsruhe gegenüber dem Verfall geortet werden. Zu einer Mischung aus Kultivation und Wildwuchs führt das Video "The Answering Furrow“ von Marjorie Keller. Die 1994 verstorbene Experimentalfilmerin verbindet ihre idyllischen Bilder von Gartenarbeit und Landschaft mit einem Lehrgedicht von Vergil, der Anleitungen zum Ackerbau mit Mythen und poetischen Motiven verflocht. NS

Coco, bis 18.9.


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