Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Meinung | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Dolar, Matscho

Das neue Slowenien und das zerbrochene Jugoslawien - sie beschäftigten den Falter vor 20 Jahren prominent in jeder Ausgabe. In dieser interviewten die Wiener Philosophin Isolde Charim und ihre Kollegen Robert Pfaller und Michael Wiesmüller den slowenischen Philosophen Mladen Dolar, neben dem bei uns bekannteren Slavoj Žižek ein Vertreter der Laibacher Lacan-Schule. Dolar sagte schöne Dinge wie "das Bild des Kommunismus als eines durch äußere Gewalt zusammengehaltenen Systems ist völlig falsch“ oder "auf lange Sicht, würde ich sagen, habe ich mehr Angst vor den Slowenen als vor den Serben“ oder "es ist heute schon viel schwieriger, neue politische Ideen oder Optionen voranzutreiben, als in den letzten Jahren unter dem Kommunismus“ und "99 Prozent der Bevölkerung waren plötzlich 50 Jahre lang in Opposition gewesen, haben niemals an den Kommunismus geglaubt, sie waren alle Opfer“.

Kommt uns irgendwie bekannt vor. Nicht davon, vielmehr über das größtmögliche Kontrastprogramm zu Dolar lass uns reden, welches das Feuilleton (damals Kulturteil) zwei Seiten später aufbot: Birgit Kellner porträtierte Dr. Wolfgang Kubasta, Vormagazin-Lesern bekannt als "Matscho“. Dieser zögerte nicht, Kellner in die Geheimnisse seiner Produktionsweise einzuweihen. Ottakring verlasse er überhaupt nicht mehr. Dort falle er nach einem Arbeitstag als Creative Director einer Werbeagentur in sein persönliches Bermudadreieck.

"Erster Eckpunkt des Dreiecks: ein Heuriger in Ottakring. Dort liest er die Kronen Zeitung. Zweiter Eckpunkt: ein anderer Heuriger. Dort liest er Kurier. Dritter Eckpunkt: ein dritter Heuriger in Ottakring. Dort ist Kubasta ‚dann meistens so in Stimmung, das ich mir Notizen auf meiner Serviette mache‘. Insbesondere der Hügelreichtum Ottakrings hat es ihm angetan, denn er brauche Hügel um sich ‚nicht Berge, sondern Hügel‘. Besagtem Hügelreichtum sei auch der Umstand zu verdanken, dass sich hier nie etwas verändert.“ aT


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