Meinesgleichen Der Zigarrensäugling als historischer Barbar

Meinung | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Kürzlich muss ich den Kronen Zeitungs-Kolumnisten Michael Jeannée wirklich gekränkt haben. Ich nannte ihn einen "großen Germanisten“. Den "schiachen Zigarrensäugling“ hat er weggesteckt wie nix, den "Schleimrevolver“ ebenso, aber der Germanist, der tat weh.

Die Replik ließ nicht lange auf sich warten. Am Donnerstag, dem 21. Juli, warf er mir zum wiederholten Male vor, "Chef des Bolschewiken-Blatts Falter“ zu sein. "Mein Gott, der Thurnher halt, wird auch immer linker, ein Alters-Spartakist, soll sein“, fügte er hinzu. Die Bolschewiki waren jene von Lenin angeführten Kommunisten, die in der Sowjetunion an die Macht kamen und in der Zeit von 1933 bis 1945 mit Bedacht zwischen drei und vier Millionen Menschen ermordeten. Zwar bezeichnete Hans Krankl den Falter einst als Mörderzeitung, aber das war anders gemeint.

Jeanée weiß vielleicht nicht, wovon er redet, wollen wir es in seinem Interesse annehmen, aber er kann nicht davon ausgehen, dass wir nicht lesen können. "Alters-Spartakist“ klingt hübsch, und sogleich trösteten mich Leser mit Verweis auf Kirk Douglas, den Spartacus-Darsteller in Stanley Kubricks wunderbarem Film. Spartakisten nannte sich allerdings eine Fraktion der Kommunisten in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts, zum Beispiel Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Sie wurden 1919 von Angehörigen der rechten Freikorps ermordet, Rosa Luxemburg wurde erschlagen und in den Landwehrkanal geworfen.

Quelle:

Michael Jeannée, Kronen Zeitung vom 21.7.2011


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