Am Apparat

Wie groß war der Polit-Einfluss am Flughafen, Herr Rasinger?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Als 2009 bekannt wurde, dass Politmanager den Fall Skylink mit über einer halben Milliarde Euro Mehrkosten verantworten müssen, versprachen die Eigentümer in Wien und Sankt Pölten eine parteifreie und fachlich versierte Vorstandsbesetzung. Nun kamen mit Julian Jäger und Günther Ofner erneut ein SPÖ- und ein ÖVP-Mann zum Zug. Da die Eigentümervertreter Renate Brauner für Wien und Erwin Pröll für Niederösterreich nicht zu sprechen waren, befragte der Falter Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger.

Herr Rasinger, warum fanden sich am Flughafen keine parteifreien Manager?

Gefunden hätten sich genug, auch viele hochkarätige Experten. Zwei Faktoren haben den Ausleseprozess beeinträchtigt: ein enges Zeitkorsett und - für internationale Standards - wenig attraktive Entlohnungsvorgaben.

Also war der politische Einfluss gar nicht so groß, wie alle denken? Michael Häupl und Erwin Pröll beharren ja darauf, dass sie ihr Vorschlagsrecht nicht gebraucht hätten und die Entscheidung daher unabhängig gefallen sei.

Formaljuristisch stimmt das zwar. Aber Pröll und Häupl sollten nicht tun, als ob. Ich gehe davon aus, dass wesentliche Entscheidungen vorher abgestimmt wurden. Nicht ohne Grund lässt sich jedes Aufsichtsratsmitglied einer Partei zuordnen. Man diskutiert so lange, bis eine politisch ausgewogene Lösung rauskommt: je ein Manager mit SPÖ- und ÖVP-Nähe. Ich frage mich, warum man das aufwändige Theater einer internationalen Ausschreibung überhaupt veranstaltet hat - statt den einfachen Weg einer auf das Inland reduzierten zu gehen.

Mitte 2012 soll der Skylink fertig werden, rund eine Milliarde Euro soll er kosten. Werden die Vorgaben halten?

Irgendwann wird alles fertig. Nachdem Fertigstellungstermin wie Kosten etliche Male nach hinten und oben revidiert wurden, glaube ich: diesmal ja. Die spannende Frage ist, ob das komplizierte Bauwerk auch gleich voll funktionsfähig sein wird.

Interview: Joseph Gepp


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