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IT-Kolumne

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Langsam reicht’s. Manche Leute müssen ständig ihr Facebook-Profilbild mit irgendwelchen Logos verzieren, um die eigene politische Haltung zur Schau zu tragen. Als im Iran die Grüne Revolution ausbrach, färbten alle ihr Foto grün ein als Zeichen ihrer Sympathie. Als in Fukushima der Reaktor schmolz, montierten viele auf ihrem Profilbild eine kleine Anti-Atomkraft-Sonne. Und jetzt sehe ich lauter norwegische Flaggen neben den Gesichtern meiner Facebook-Kumpels. Ich bin da skeptisch. Mir scheint das als Akt der Selbstdarstellung. Es suggeriert: "Schaut her, ich bin so cool, ich trete für lauter superwichtige Dinge ein.“

In der Tat sind all diese Anliegen superwichtig. Doch mittlerweile werden die Facebook-Profilfotos viel zu inflationär eingesetzt, diese Woche ist man gegen Atomkraft, nächste Woche gegen Internetzensur. Sorry, aber ich bezweifle, dass diese Form des digitalen Protests irgendetwas aussagt - außer dass man selbst ein kleiner Mausklick-Che-Guevara ist.


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