So funktioniert Boulevard: eine Story wie ein Geständnis

Boulevardstück: Ingrid Brodnig Nina Horaczek | Medien | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Journalisten erklären, wie es bei Österreichs Boulevardzeitungen wirklich zugeht

Zu blöd, wenn der Kanzlerkandidat, für den man täglich in die Tasten haut, beim Wähler nicht ankommt. Ganze vier Prozentpunkte sei der Favorit des Chefredakteurs in einer Umfrage vor einer wichtigen Wahl hinter seinem Konkurrenten gelegen, erzählen Mitarbeiter einer Tageszeitung. "Da haben wir ein paar Prozent dazugetan, schon hatte der Liebling des Chefs die Nase vorne.“

Ein anderer Politiker sei hingegen zu erfolgreich gewesen. "Als ein umstrittener Parteichef in Umfragen trotz negativer Schlagzeilen bei elf Prozent lag, wurden von unserer Zeitung einfach neun Prozent daraus gemacht.“ Schon habe die Schlagzeile, die Partei sei erstmals unter zehn Prozent abgestürzt, zur Umfrage gepasst.

Selbst Wettergott sollen manche Chefredakteure spielen. Da werde das Jahrhundertwetter, das am Himmel nicht stattfindet, eben in der Redaktion herbeigeschrieben. Das berichten zumindest Mitarbeiter aus Boulevardmedien.

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