"Die Murdochs sind überall. Auch in Tirol.“ Ein Aufdecker beschreibt einen Fall von Erpressung

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Gib mir Geld, sonst gibt es schlechte Nachrichten! Von dieser unsauberen Praxis manch eines österreichischen Medienmachers berichten heimische Politiker, wenn man ihnen Anonymität verspricht, so wie das der Falter vergangene Woche tat.

Im Anschluss an den Falter-Artikel veröffentlichte der Tiroler Aufdecker Markus Wilhelm (siehe auch Seite 18) online Dokumente und E-Mails, die in seinen Augen eine "durchgeführte Erpressung“ belegen. Er wirft dem Tiroler Echo-Verlag vor, kritische Berichterstattung aufgrund erhaltener Anzeigengelder unterlassen zu haben.

Die Vorwürfe und Dokumente sind auf Wilhelms Webseite dietiwag.org nachlesbar. Demnach habe der Tiroler Medienverlag Echo, der die gleichnamige Nachrichtenillustrierte und die Zeitschrift Echo am Freitag herausgibt, über Jahre hinweg Werbegelder des Tiroler Stromkonzerns Tiwag erhalten.

Kurz vor der Landtagswahl 2008 soll das Energieunternehmen, das dem Land Tirol gehört, aber die Inserate storniert haben. Daraufhin habe Echo-Geschäftsführerin Birgit Steinlechner ein erbostes E-Mail verfasst und kritische Berichterstattung angekündigt.

Den veröffentlichten Dokumenten zufolge schrieb die Geschäftsführerin: "Wir werden auch mit Vergnügen in die Spitzel, Detektiv und alle anderen Tiwag Geschichten einsteigen, dieses Mal werde ich keine Gespräche abwarten, weil ich mit Sicherheit die Vorwahlzeiten nützen werde.“

Kurz darauf, im Mai 2008, erschien dann tatsächlich ein Artikel in Echo, in dem über die "Skandale in den Landesunternehmen“ berichtet wurde.

Nach der Landtagswahl kehrte laut Aufdecker Wilhelm alles zum Status quo zurück: Die Tiwag schaltete erneut Anzeigen im Verlag. Echo "diktiert der Tiwag den Preis für die Nichtberichterstattung: Zwei Anzeigenseiten für das Monats-Echo, eine halbe Seite monatlich für das Anzeigenblatt Echo am Freitag“, schreibt Wilhelm online. Für ihn ist die Sache klar: "Die Murdochs sind überall. Auch in Tirol.“


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