Die aalglatte Bescheidenheit des Mr. Uriah Heep: ein Streifzug durch die Literatur des Neides - von Charles Dickens über Herman Melville bis zu Elfriede Jelinek

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Der Neid ist die spannendste Todsünde, allein schon deshalb, weil kaum jemand sich dazu bekennt. Er äußert sich versteckt. Für die Literatur gilt das im Besonderen. Die prickelndsten Neidgeschichten stehen nicht in Büchern. Sie betreffen Antipathien, Zahlen und Vorschüsse des Literaturbetriebs und werden in der Regel ausschließlich mündlich überliefert.

Manchmal lassen sich Autoren in Interviews dazu hinreißen, sich zu offenbaren, indem sie auf Kollegen hinpicken. Doch wie das Amen im Gebet folgt auf solche kleinen Ausbrüche der Zusatz: "Aber das bitte nicht schreiben.“

Öfter trifft man den Neid und seine Schwester, die Eifersucht, schon in den Tagebüchern von Schriftstellern an. Leider ist er dort nicht mehr sehr authentisch, da die Texte zuvor für die Publikation bearbeitet wurden und dafür die Schleusen der Selbstzensur und Selbststilisierung passieren mussten.

Bleiben die Werke. Die bekannteste Thematisierung des Neides in den letzten Jahren findet sich in Elfriede Jelineks


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige