Der Mann in Andreas Doraus Spiegel fragt: "Hier kommt der Neid. Bist du für ihn bereit?“

Feuilleton | Telefonplausch: Sebastian Fasthuber | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Andreas Dorau ist wieder da. Sechs Jahre nach "Ich bin der eine von uns beiden“ veröffentlicht der schrullige Antipopstar aus Deutschland sein neues Album "Todesmelodien“. Darauf besingt er auch eine Todsünde - richtig, den Neid. "Doch ich geb es zu / Er wohnt auch in mir“, verrät er, und rät dem Hörer: "Lern ihn zu verstehn / Dir wird es besser gehn“.

Dorau macht mit seinen 47 Jahren einen entspannten Eindruck. Sein größter Hit, der NDW-Schlager "Fred vom Jupiter“, ist 30 Jahre alt. Die zweite Erfolgsphase im Zeichen von poppigen Technoklängen ("Girls in Love“) liegt auch schon eineinhalb Dekaden zurück.

Dennoch schlägt Dorau lukrative Angebote regelmäßig aus: "Ich bekomme Einladungen, bei diesen ultimativen TV-Chartshows aufzutreten. Die würden auch richtig Geld dafür zahlen. Man beißt sich auf die Unterlippe, wenn man Nein sagt. Aber dann rennt man sofort ins Bad, schaut in den Spiegel - und man ist noch da.“

Dorau beneidet seine Kollegenschaft weniger um das Geld als um den Glücksmoment, wenn ein Lied zu einem guten Ende gebracht wird. Manche seiner Songs harren jahrelang ihrer Fertigstellung, erzählt er. "Es liegt daran, dass ich mit den Texten nicht vorankomme. Ich sammle Fragmente, die sich irgendwann zu Texten verdichten. Erst wenn ich genug davon beisammen habe, wage ich an eine Platte zu denken.“

"Todesmelodien“ ist ein für Dorau ungewöhnlich düsterer Titel. Das Konzept zur Platte entstand, als vor zwei Jahren nach dem Vater auch seine Mutter verstarb. "Ich stellte fest: Jetzt bist du ganz alleine auf der Welt“, seufzt das alte Waisenkind. "Ich hatte Angst, dass ein übles Loch auftaucht. Da dachte ich mir, ich beschäftige mich lieber mit etwas, was mich ausfüllt.“

Ein Runterzieher ist das Album jedoch keineswegs. Die Musik präsentiert sich typisch melodieverliebt und strahlt in den besten Momenten immer noch eine erfrischende Naivität aus. Pop, das bedeutet für Andreas Dorau in erster Linie Refrains: "Aber es braucht eben auch Strophen dazwischen.“


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