Der Chronist des menschlichen Fleisches

Feuilleton | Nachruf: Jasper Sharp | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Der englische Künstler Lucian Freud war charmant und arrogant - und der bedeutendste Porträtmaler der Gegenwart

Der Künstler Lucian Freud war ein häufiger Gast der Londoner Nationalgalerie, meist kam er spätabends, allein oder gemeinsam mit einem Freund. In einem seiner seltenen Interviews verglich er diese Besuche mit einem Arzttermin; das Museum sei ein Ort, den er besuche, um "Hilfe zu finden“.

1987 wurde er eingeladen, eine Auswahl Alter Meister aus der Sammlung zusammenzustellen. In dem Katalog sind Werke von Rubens, Velázquez und Rembrandt abgebildet, dazwischen steht ein knapper Kommentar Freuds: "Was verlange ich von einem Gemälde? Es soll in Staunen versetzen, verstören, verführen, überzeugen.“

Diese Worte beschreiben Freuds eigene Malerei - und seinen Charakter. Er konnte charmant, gesellig, eloquent und großzügig sein, aber ebenso schwierig, unberechenbar und ungeheuer herablassend gegenüber Dingen und Menschen, die ihm gleichgültig waren.

Er war ein wunderbarer


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