Stadtrand

Sie müssen einem immer etwas "dazu“ geben

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Der Auslachanfall war nicht besonders nett, zugegeben. Aber der freundliche Kellner im (ansonsten über jeden Verdacht erhabenen) Café Tirolerhof in der Innenstadt hat es provoziert. Wenn jemand wochentags nachmittags alleine wo sitzt und einen kleinen Braunen bestellt, fragt man doch nicht: "Gläschen Champagner dazu?“ Hier gibt es nichts zu feiern. Nicht einmal Brigitte Bardot fragt man das, wenn sie in ihrem Stammlokal in Saint Tropez Kaffee bestellt, wo sind wir denn? Immerhin ist es eine hübsche Variante der nervigen Café-Westend-Kellnerfrage "Mineralwasser zum Kaffee?“. Nein! Kein Mineralwasser, Leitungswasser. Das bezahlt man ohnehin schon mit, wenn das kleine Tässchen Mokka fast vier Euro kostet. Und nein, auch keine "Mehlspeise dazu“. Vielleicht fragt ja zur Abwechslung mal jemand: "Zeitung dazu?“, oder: "Ruhe dazu?“ Natürlich fragt niemand, sie wollen oder sollen einem schließlich was verkaufen. So wie bei McDonald’s. Da will man einem auch immer irgendeinen Senf "dazu“ geben. Apfeltasche dazu? NEIN!


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