Einstürzendes Neubau: Warum im 7. Bezirk so viele Holzgerüste stehen und wieso sie nicht verschwinden

Stadtleben | Nachfrage: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Es könnte ja etwas herunterfallen. Regelmäßig gehen Mitarbeiter der Wiener Baubehörde MA 37 durch die Straßen der Stadt. Ihre Blicke sind nach oben gerichtet. Sie überprüfen, ob Jahreszeiten und Feuchtigkeit Schäden an Fassaden und Gesimsen von Gründerzeithäusern angerichtet haben. Sie schauen, wo Putz bröckelt und Gebäudeteile herunterfallen könnten. Passanten könnten getroffen werden oder Fahrzeuge.

Ist "Gefahr im Verzug“, wie es so schön beamtisch heißt, reagiert die Behörde. Sie informiert die betreffende Hausverwaltung und gibt ihr 24 Stunden Zeit zu reagieren. Werden in dieser Zeit die Schäden nicht behoben - was wohl so gut wie nie vorkommt -, lässt die MA 25 (Stadterneuerung und Prüfstelle für Wohnhäuser) ein provisorisches Holzgerüst aufstellen.

Oder sie beauftragt Firmen, schadhaften Putz abzuklopfen. Vollstreckung baulicher Ersatzvornahmeverfahren gemäß dem Verwaltungsvollstreckungsgesetz (VVG) heißt das. Gut so.

Die eilig zusammengezimmerten Gehsteigverbauten aus rauen Holzbalken und Brettern - das Fachwort lautet "Passagenschutzgerüst“ - soll Fußgänger schützen. Die Kosten dafür, je nach Aufwand einige Tausend Euro, müssen die betroffenen Hauseigentümer tragen. Weshalb wohl auch noch immer zahlreiche Holzgerüste herumstehen.

Vor allem im siebten Bezirk. 70 Häuser seien heuer in Neubau eingerüstet worden, erzählt der grüne Bezirksvorsteher. Und wer viel Geld für ein nicht bestelltes Gerüst bezahlt hat, lässt sich beim Beheben der Schäden etwas Zeit. Viele Anrainer fühlen sich genervt von den Bretterbuden, und Geschäftsleute ärgern sich, dass ihre Schaufenster verstellt sind. Manche dekorieren einfach die Gerüste. Tut sich nichts, kann die Baupolizei Hauseigentümer gerichtlich dazu verdonnern lassen, schadhafte Fassaden zu sanieren. Oder sie vergibt einfach selbst einen Bauauftrag.


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