Prost!

Die Verpackung ist bald mehr wert als der Inhalt

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Rich Prosecco

Stadtleben | aus FALTER 30/11 vom 27.07.2011

Aufgrund der Vielzahl neu erfundener Getränke, die den Markt überschwemmen, ist die Verpackung ein essenzieller Teil der Corporate Identity geworden. Immer kleiner und handlicher sind die Gebinde, um schnell und bequem geleert werden zu können. Das Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahren rasant verändert, was wohl mit den geöffneten Binnenmärkten und den globalisierten Gelüsten zusammenhängt, die via Werbung in uns geweckt werden.

Für die Umweltbilanz hat das eine erschreckende Konsequenz. Aber wer will schon mit einer kaum mehr erhältlichen gläsernen Mehrwegflasche durch die Straßen ziehen und sie wieder abgeben, früher noch just dort, wo man sie gekauft hatte? Ökologische Verpackungskonzepte müssten erdacht werden, und Unternehmertum soll auch belohnt sein - nur nicht um jeden Preis. Rich Prosecco beispielsweise, erfunden von dem Tiroler Tourismus-Visionär Günther Aloys, ist ein Getränk, das man ob der ökologischen Überlegungen meiden, aber zumindest aus einer skurrilen Laune heraus probieren sollte. Dabei handelt es sich um vino frizzante, gewonnen aus der Gleratraube, im schillernden 0,2-Liter-Dosenformat. Säuerlich schmeckt er zunächst, das hängt wohl auch mit der trashigen Aufmachung zusammen. Wenn man, wie der Serviervorschlag lautet, mit Strohhalm trinkt, dann kann man sich nach kurzer Zeit auch sein Gegenüber und die Welt an sich Paris-Hilton-mäßig "hübschtrinken“. Die Welt wird so furchtbar elend zugrunde gehen. ms


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